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Fliesen aus der Rotterdamer Fayencewerkstatt der Gebrüder Aalmis im Schloss der Freiherren von Rotenhan in Rentweinsdorf

 

Schloss Rentweinsdorf

 

Markt Rentweinsdorf
und Schloss der Freiherren von Rotenhan

Markt Rentweinsdorf in der Verwaltungsgemeinschaft Ebern liegt im unterfränkischen Landkreis Hassberge an der B 279 nördlich von Bamberg.
Das Schloss Rentweinsdorf bildet zusammen mit der protestantischen Kirche den Mittelpunkt des Marktes Rentweinsdorf.
Der Schlossbau wird seit 1757 von der Familie der Freiherren von Rotenhan bewohnt und ist nicht öffentlich zugänglich.
Die Seitenflügel der eleganten dreiflügeligen Rokokoanlage stoßen an den Mitteltrakt in stumpfem Winkel nach Art eines Trapezes an. Das Schloss ist zweigeschossig mit halbem Zwischengeschoss. Lisenen und ein durchlaufender Gurtsims unter dem Obergeschoss gliedern die Fassade. Der ansbachische Hofarchitekt Johann David Steingruber plante den Bau des Nordflügels, der vor allem durch Kirchenbauten bekannte Bamberger Johann Michael Küchel plante und leitete den Bau der anderen Schlossteile.
Im Schlosspark ist die barocke Orangerie als sehr schönes Beispiel eines Gewächshauses aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten.
Das Innere des Schlosses gliedert sich in das im Zentrum des Mitteltrakts auf der Hofseite gelegene Treppenhaus mit einer zweiflügeligen Treppe. Es schließen sich rechts und links die auf der Hofseite verlaufenden Korridore mit den unterschiedlichen Zimmern an. Die wertvolle ursprüngliche Ausstattung des 18. Jahrhunderts ist noch in Teilen erhalten.
Im Erdgeschoss des Mitteltraktes liegt ein großer Saal, in der Höhe Erd- und Zwischengeschoss umfassend. Sehenswert ist dieser Saal wegen seiner reichen Stuckarbeiten, vor allem aber wegen seiner interessanten Wandgliederung aus Fayencefliesen.

 

Fliesen aus der Rotterdamer Werkstatt der Familie Aalmis
im großen Saal des Schlosses Rentweinsdorf

Teilansichten der West- und Nordwand

Rotterdamer Fayencefliesen wurden als Füllungen in die Pilasterschäfte und zwischen den Pilastern eingearbeitet.

 

Teil der Südwand

 

Die stuckierten profilierten Wangen und Simse sind in recht qualitätvollem Rocaillededekor ausgeführt.
Bernardus Hellmuth, Hofstuckateur zu Sächs. Silberhausen, G. Urff und Johan Peter Hellmuth führten die Fliesenarbeiten und Stuckaturen aus.
Im Archiv derer von Rotenhan liegen Rechnungen und Quittungen für die Stuckarbeiten in den Faszikeln G II 20 (Verschiedene einzelne Producta, welche auf den Schlossbau in Rentweinsdorf Bezug haben 1752-1756) und GII 53 (Belege zur Baurechnung 1759).

Kamin zwischen West- und Nordwand

 

In Stuck eingearbeitete Fayencefliesen

 

 

Lage der Wand- und Sockelfelder

 

 

 

Dokumentation der Wand- und Sockelfelder

Westwand                              Wandfelder 1-3
Sockelfelder 1-2                     Sockelfelder 3-5

 

 

Wandfelder 4-6
Sockelfelder 6-10

 

Rahmung des offenen Kamins

 

Wandfelder 7-11
Sockelfelder 11-15

 

Wandfelder 12-14
Sockelfelder 16-18

 

Wandfelder 15-17
Sockelfelder 19-21

 


Wandfelder 18-22
Sockelfelder 22-26
Sockelfelder 1-26

 

1

 

2

 


3-5

 

 

6-8

 

 

9-10

 

10

 

11-15

 

 

16-18

 

19-21

 

22-26

 

 

 

Rotterdamer Zeichenvorlage
und entsprechende Fliesen in Schloss Rentweinsdorf

GAR 3195-29

Im Gemeentearchief Rotterdam befindet sich unter vielen Archivstücken, die Bezug zu Rotterdamer Fliesen haben, ein Vorlagenbuch für Fliesenmaler.
Frederik Jacobus Kleijn (1819-1881), der letzte Besitzer der Fayencewerkstatt ’PIET HEIJN’ in Delfshaven schenkte dieses Vorlagenbuch im Juni 1876 dem Archiv mit dem Hinweis, dass es von der Gilde der Rotterdamer Fayence-hersteller stamme.
Die Vorlage mit der Blumenvase ist Bestandteil des Vorlagenbuches als Nr. 29, ist aber auf dem Blatt mit 149 bezeichnet.
In einem Rotterdamer Werksarchiv (van Traa 1849) wurden diese Fliesen ‚Potjes met fransch bandje’ genannt. Die heutige korrekte Sammlerbezeichnung lautet ‚Bloempotje in accolades met krullen; hoekmotief: kwartrozet’.
Es gibt diese sehr seltenen Fliesen in blauer sowie manganfarbener Bemalung.

Im großen Saal des Schlosses Rentweinsdorf gibt es 25 verschiedene Motive.
Zusätzlich gibt es einige in spiegelbildlicher Ausführung.
Von dem Motiv, das der Vorlage im Rotterdamer Archiv entspricht, gibt es in Schloss Rentweinsdorf unter den 939 angesetzten Fliesen lediglich 6 Exemplare. Das ist die weitaus geringste Anzahl bei allen 25 Motiven.

 

 

Die 25 verschiedenen Motive

                        
1                                   2                                   3                                   4                                  5

 

                        
6                                   7                                   8                                   9                                 10

         

                        
10                                 11                                  12                                 13                                14

       

                        
16                                 17                                  18                                19                                20

 

                        
21                                 22                                  23                               24                               25

      

 

Anzahl der angesetzten Fliesen

Fensterwand

2 Felder

29 x 4 = 116
27 x 4 = 108

224

Seitenwände

je 1 Feld

29 x 8 = 232
27 x 6 = 162

394

Türwand

 

2 Felder

29 x 4 = 116
27 x 4 = 108

224

Türwand

4 zusätzliche Felder in der Sockelzone

4 x 6 x 3 = 72

72

am Kamin

 

2 x 7 = 14
1 x 9 =   9
2 x 1 =   2

25

insgesamt

 

 

939 Fliesen

 

 

Verteilung der Motive in den Wandfeldern

Wandfeld

Motiv/e

Anzahl

1

8

24

2

25 und 21

26 und 26

3

8

24

4

10

24

5

20 und 23

26 und 26

6

10

24

7

14

24

8

7 und 19

26 und 26

9

17

24

10

4 und 6

26 und 26

11

14

24

12

22 (im Feld 1x 15!)

23 und 1

13

16 und 15

26 und 26

14

22

24

15

3

24

16

16 und 5

26 und 26

17

3

24

18

12

24

19

2 und 11

26 und 26

20

13

24

21

2 und 11

26 und 26

22

12

24

 

Verteilung und Anzahl der Motive

Motiv

Sockelfelder

Wandfelder

Kamin

insgesamt

1

6

-

-

6

2

-

52

-

52

3

-

48

-

48

4

15

26

-

41

5

11

26

2

39

6

10

26

2

38

7

10

26

4

40

8

-

48

-

48

9

28

-

4

32

10

-

48

-

48

11

-

52

-

52

12

-

71

-

71

13

10

24

-

34

14

-

48

-

48

15

7

27

-

34

16

1

52

-

53

17

10

24

-

34

18

21

-

8

29

19

3

26

-

29

20

-

26

1

27

21

14

26

-

40

22

-

24

-

24

23

-

26

-

26

24

16

-

3

19

25

-

26

1

27

Summe

162 Fliesen

752 Fliesen

25 Fliesen

939 Fliesen

Lieferung: 950 Fliesen

Differenz: 11 Fliesen

30 halbe Fliesen aus den Wandfeldern liegen in der Nische unter dem Ofen.

 

Der Bauherr Johann Friedrich II. von Rotenhan (1713-1776) (Georg’sche Linie)

1711

 

in Rentweinsdorf wird in Auftrag von Johann-Wilhelm von Rotenhan die Orangerie erbaut

1713   

9. Juli

zu Ebelspach (Ebelsbach) als zweites von acht Kindern geboren
Eltern: Philipp Albrecht von Rotenhan und Dorothea Friederike von Künßberg

1725

 

Vater Philipp Albrecht von Rotenhan gestorben

1725

 

von Ebelsbach nach Rentweinsdorf gezogen

1732

 

bis Ende 1732 Besuch des Gymnasiums in Ansbach

1732

 

500 Salzburger Flüchtlinge werden verköstigt und zum Teil neu eingekleidet

1733

 

Anfang des Jahres Universität Jena (mit Hofmeister und Diener)

1735

 

bis Ende 1735 Universität Jena, dann nach kurzer Zeit Universität Halle (Rechtsstudien, Geschichte, Geographie, Genealogie, Mathematik und Sprachen)

1738

 

Johann Friedrich von Rotenhan großjährig (mit 25 Jahren),
übernahm aber noch nicht Regierung und Verwaltung der Güter sondern erteilte seiner Mutter bis auf weiteres Vollmacht

1739

 

bis 1739 lebte Friedrich von Rotenhan an Höfen benachbarter Fürsten (zuletzt am kurfürstlichen Hof in Mainz

1739

 

Antritt einer Reise nach Wien (’ziemlich langer Aufenthalt‘), Italien, Frankreich (‚längerer Aufenthalt in Paris und am Hofe zu Versailles‘)

1741

Herbst

von Paris kommend an den kurfürstlichen Hof in Mainz zurückgekehrt

1741

 

Teilung der Güter mit seinem Bruder Karl.
Johann Friedrich wählte Rentweinsdorf, Karl Ebelsbach als Wohnsitz

1741

06.Dez..

Erbhuldigung und Lehnsverpflichtung seiner Untertanen

1742

07. März

vom Kurfürsten zum Kurmainzer Kammerherr ernannt

1743

 

zu Petri trat Johann Friedrich die Regierung an

1743

 

nach Antritt der Regierung Reise in die Niederlande
‚Er besuchte alle interessanten Orte der Niederlande und wurde dort mit einer großen Zahl der hervorragendsten Männer aller Fächer bekannt.‘

1743

 

Ende des Jahres Rückkehr nach Rentweinsdorf

1746

 

Tod des Hans Georg IV. von Rotenhan

1746

 

zum Ritterhauptmann des Kantons Baunach ernannt, wodurch er zugleich kaiserlicher Geheimrat mit dem Titel ‚Excellenz‘ wurde in der Nachfolge seines Onkels Erbunterkämmerer des Bistums Bamberg

1749

23. Juli

Johann Friedrich von Rotenhan heiratet Johanna Wilhelmine, Tochter des Freiherrn von Seckendorff-Gutend zu Oberzenn
(Wilhelmine, zu Oberzenn am 11. Februar 1728 geboren, war Hofdame bei einer Prinzessin von Braunschweig, der sie, als diese den Herzog von Coburg heiratete, dahin folgte.)
-Gute Beziehungen des jungen Paares zum Herzogspaar nach Coburg und zum Kurfürsten nach Mainz-
Zur Hochzeit schenkte das Herzogspaar ihre eigenen Portraits, die heute noch im Gartensaal, eingelassen in schöne Stuckrahmen, zu sehen sind.
Wilhelmine schenkte übrigens 15 Kindern das Leben.

1750

08. Mai

erstes Kind -Friedrich Karl- geboren

1750

 

Bau des Schlosses in Rentweinsdorf begonnen
(Steine aus dem eigenen Steinbruch im Treinfelder Eichholz)

1751

20. April

vom Kurfürsten in Mainz zu seinem Geheimrat ernannt
(nur Titel, ohne Funktion)

1751

 

stellte Johann Friedrich von Rotenhan in Wien einen eigenen ‚Correspondenten‘ (Secretair Schreiber von Grünrath) ein, um mit der kaiserlichen Regierung in direkter Verbindung zu sein

1752

10. März

zweites Kind –Ernst Ludwig- geboren

1752

 

vom Generaldirektorium der gesamten deutschen Reichsritterschaft mit einer diplomatischen Mission in Hannover betraut
Johann Friedrich von Rotenhan blieb in Hannover vom 23. Mai bis Ende November

1756-1763

 

Siebenjähriger Krieg: durchziehende Truppen richten viel Schaden an. Johann Friedrich von Rotenhan gelingt es, für einige Zeit preußische Schutztruppen zu bekommen. Sie kosten viel, schützen aber die Dörfer vor Plünderungen.

1757

 

Mittelbau und Nordflügel des Schlosses in Rentweinsdorf fertiggestellt und bewohnbar

1757

 

Umzug in die fertiggestellten Gebäudeteile des Schlosses in Rentweinsdorf und Abriss der bis dahin bewohnten Burg
(Nördlicher Flügel als Wohnung, Mittelgebäude mit seinen Sälen vorzugsweise zu Festen bestimmt)
(Im unteren Saal - schon im Rokokostil gebaut und eingerichtet - fanden die lebensgroßen Portraits des Herzogs und der Herzogin von Coburg bevorzugte Plätze)
In Nischen wurden zwei Chinavasen - Geschenke des Feldmarschall Reichsgraf Friedrich Heinrich von Seckendorff - aufgestellt. Diese Vasen waren ein Geschenk der VOS an den Freiherrn von Seckendorff und fast 50 Jahre in dessen Besitz. Die Vasen befinden sich nicht mehr in Rentweinsdorf, Sie gingen wieder in den Besitz der Familie von Seckendorff.

1759

 

künstlich zugeschnittene Bäume für den französischen Garten aus Paris bezogen

1762

 

Bau des südlichen Flügels des Schlosses begonnen

1769

 

in reichsritterlichen Geschäften Reise nach Wien an den kaiserlichen Hof (Kaiser Joseph II.)

1770

Weihnachten

65 ständig beschäftigte Personen, wie Jäger, Läufer, Vorreiter usw.

1771

 

Direktor der Fränkischen Reichsritterschaft und Generaldirektor der Reichsritterschaft in Franken, Schwaben und am Rhein

1771/1772

 

Missernten und Hungersnot. Viele Menschen sterben an Hungertyphus.

1774

7. August

J.F. von Rotenhans Bruder Karl zu Eyrichshof gestorben

1774

Winter

Schlaganfall

1775

Juli

Kuraufenthalt in Wiesbaden

1775

Winter

2. Schlaganfall

1776

18. August

Johann Friedrich von Rotenhan gestorben

1780

14. Juli

Johann Friedrichs Witwe gestorben

 

 

Akten im Archiv derer von Rotenhan mit Bezug auf Fliesen

Bei Nachforschungen im Archiv waren vor allem die folgenden vier Faszikel von Interesse:

1) Serie XVI (alt) G II 20:
Verschiedene einzelne Producta, welche auf den Schloßbau in Rentweinsdorf Bezug haben (1752-1756) (180 Blätter und 5 Skizzen)- In G II 20 Rechnung der Stuckateure B. Hellmuth und G. Urff

2) Serie XVI (alt) G II 49:
Schreiben und Nachrichten wegen porzellainer Täfl: oder Fließgen zum Saal (1757) (12 Blätter)

3) Serie XVI (alt) G II 52:
Correspondenz mit Herrn Walther zu Schweinfurt wegen Fließgen von Holland zu verschreiben (Sammelakt 1758-1776) (15 Blätter)

4) Serie XVI (alt) G II 53:
Belege zur Baurechnung (1759) (79 Blätter)
- In G II 53 Quittung des Stuckateurs Hellmuth
- In G II 53 Quittung des Händlers Christoph Adam Walther aus Schweinfurt

In G II 33 liegt übrigens ein Brief des berühmten Baumeisters Balthasar Neumanns, der auch Inhaber einer Glasmanufaktur war, mit Preisliste für Glas-und Spiegellieferungen.

Johann Friedrich II. von Rotenhan holte Angebote zur Lieferung von Fliesen für den großen Saal seines neuen Schlosses in Onolzbach (Ansbach), Crailsheim, St. Georgen bei Bayreuth und Rotterdam ein, entschied sich aber für Rotterdamer Fliesen aus der Werkstatt Aalmis.

Am 5. Februar 1758 wurden Portokosten für zwei Briefe wegen der Musterfliesen nach Rotterdam und Rückantworten abgerechnet und am 22. März 1758 Portokosten für 22 Musterfliesen aus Rotterdam. Die Musterfliesen nahmen folgenden Weg: Mit dem Schiff von Rotterdam nach Amsterdam und von dort mit dem Postwagen der Fa. Boeckold nach Frankfurt. Für den Weg der 22 Musterfliesen von Frankfurt nach Rentweinsdorf konnte ich in den Akten keinen Hinweis finden.

 

G II 49

1

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

100. Bibl: Historie Fließg..... 100. ord.....
Fracht und Unkosten bis Lüneburg...., von Lüneburg bis Braunschweig exclusive Kisten und Packerlohn

2
Vorder- und Rückseite

Onolzbach (Ansbach)
16. May 1757

Schreiben des Oberstallmeisters Pöllnitz Crailsheimer Fliesen betreffend

3

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

Adresse eines Briefes

4

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

Auszug aus dem Schreiben des Wolfgang Andreas Creuz an den Oberstallmeister von Pöllniz zu Anspach, Craylsheim, 13 May 1757

  • die Fliesen (Porcellainer Weiß)

      können in 2 Monaten geliefert werden

  • die Fliesen können in verschiedenen Größen geliefert werden
  • er will spätestens in 14 Tagen eine Probe schicken

es kann noch kein Preis genannt werden, da noch nicht bekannt ist, welche Größe die Fliesen haben sollen und ob sie blau oder bunt bemalt werden sollen
*Wolfgang Andreas Creutz oder Cranz war gemäss Akten des Bayerischen Staatsarchivs in Nürnberg hochfürstlicher Brandenburg-Onolzbacher Rat und Kastner.

5

unbeschriebens Blatt

------------------------------------------------------------------

6
Vorder- und Rückseite

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

Schreiben unvollständig! G II/49 Blatt 8 gehört als drittes Blatt zu  Vorder- und Rückseite von Blatt 6
Nach Anforderung einer Musterfliese Angebot der ’Porcellain Fabrique zu St. Georgen am See‘
(bei Bayreuth) (Periode Pfeiffer und Fränkel-Erben)

7
Vorder- und Rückseite

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

Preisangaben zu Ansbacher Fliesen

8

Bayreuth
18. May 1757

zu 6 gehörig!
Unterschrift des Dr. Peter Christian Wagner

9
Vorder- und Rückseite

Anolzbach
2. Juny 1757

Schreiben des Oberstallmeisters Pöllnitz Crailsheimer Fliesen betreffend

10
Vorder- und Rückseite

Crailsheim
30. May 1757

Angebot mit beigefügten 5 Musterfliesen
*Die Glasur der Musterfliesen war fehlerhaft.
Wolfgang Andreas Cranz bat, die fehlerhafte Glasur nicht zum Anlass zu nehmen keine Fliesen zu bestellen.

11

unbeschriebenes Blatt

------------------------------------------------------------------

12

unbeschriebenes Blatt

------------------------------------------------------------------

 

G II 52

1

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

Angebot zu 9 Musterfliesen von Aalmis
in niederländischer Sprache

2

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

Übersetzung des Angebots

3
und
4

Schweinfurt
17. Mertz 1758

Schreiben mit Unterschrift des Christoph Adam Walther

  • Zahlungsweise in Holland
  • Hinweise zum preiswerteren Transport auf dem Wasserwege über Cöllen (Köln) und Maintz (Mainz) gegenüber einem Transport mit Postwagen
  • Hinweis, dass der Transport auf dem Wasserwege wenigstens 3 Monate dauern würde gegenüber 4 Wochen mit dem Postwagen. Wobei der Transport mit dem Postwagen allerdings wesentlich mehr Frachtkosten erfordern würde.

5
Vorder- und Rückseite
und
6

22. Martii (?) 1758

Konzept eines Schreibens an Christoph Adam Walther
bezüglich Bestellung, Lieferung und anfallender Kosten

7
Vorder-, Rückseite,
8 und 9

Schweinfurt
23. xbris 1758

Schreiben des Christoph Adam Walther an den ‚Herrn Secreter‘. Entschuldigung zur späten Lieferung aber auch wegen eines ‚starken Catar Fieber‘ um 3 Wochen verspäteten Schreibens.
Genaue Beschreibung des Lieferweges mit Daten!

10 Vorder- und Rückseite

Schweinfurt
16. Januar 1759

Schreiben des Christoph Adam Walther an den ‚Herrn Secreter‘ Fracht und Frachtkosten die Fliesen betreffend.

11

ohne Ortsangabe und Unterschrift
28. April 1758

Kostenaufstellung für Lieferung der 950 Fliesen, Verpackung, Fracht und Krangeld

12

Nürnberg
29. xbris 1758

Schreiben des Johann Caspar v. Scheidlin Wechselkurse betreffend

13

ohne Datum, Ortsangabe und Unterschrift

Sortenzettel

14

ohne Datum und Ortsangabe,
Unterschrift unleserlich

Sortenzettel

15

unbeschriebenes Blatt

------------------------------------------------------------------

 

 

Angebot Aalmis zur Lieferung von Fliesen
G II 52.1

Interessant sind die Angaben zu möglichen Größen der Fliesen, den gleichen Preisen für manganfarben oder blau bemalte Fliesen.
Die angegebenen Preise gelten für Fliesen in normaler Größe von 5 duim, das sind 130 mm.
Es wurde mitgeteilt, dass Fliesen in den Formaten 6 duim = 156 mm, 7 duim = 182 mm, 8 duim = 208 mm und 9 duim = 234 mm lieferbar wären.
Diese seien aber doppelt so dick und merklich teurer.

 

Die Fayencewerkstatt Aalmis in Rotterdam

1758  Lieferung der Fliesen für Schloss Rentweinsdorf
Jan Pieterszn (Johan) Aalmis starb 1755. Die Söhne Jan (Johan) und Jan Bartholomeus übernahmen gemeinsam die Werkstatt.
Jan (Johan) Aalmis, „meester-tegelbakker“, wurde im Mai 1714 geboren und starb unverheiratet am 30. September 1799. Er war zum Zeitpunkt der Lieferung der Fliesen für Rentweinsdorf 44 Jahre alt.
Jan Aalmis wurde 1739 zum ersten Mal zum „hoofdman van het Sint-Lucasgilde“ benannt und zum letzten Mal 1787.
Jan Bartholomeus Aalmis, „meester-tegelbakker“, wurde 1725 geboren und starb unverheiratet am 3. September 1786.
Er war zum Zeitpunkt der Lieferung der Fliesen für Rentweinsdorf 32 Jahre alt.
Jan Bartholomeus Aalmis wurde 1753 zum ersten Mal zum „hoofdman van het Sint-Lucasgilde“ benannt und dann in regelmäßigen Abständen meist im Wechsel mit Jacob Schut und Ludolph Bakhuyzen bis 1784.

 

Der Weg der Fliesen von Rotterdam nach Rentweinsdorf im Jahre 1758

Lieferung der Fliesen und Baumaßnahmen im unteren Salon von Schloss Rentweinsdorf fielen in die Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-63). Durchziehende Truppen richteten viel Schaden im Herrschaftsbereich derer von Rotenhan an. Johan Friedrich von Rotenhan gelang es, für einige Zeit preußische Schutztruppen zu verpflichten. Sie kosteten viel, schützten aber Dörfer und Schloss vor Plünderungen.
Aufschlüsse über den Lieferweg der Fliesen von Rotterdam nach Rentweinsdorf gibt das Schreiben des Herrn Christoph Adam Walther aus Schweinfurt vom 23. Dezember 1758 (G II 52 5).
Die Fliesen wurden am 28. April 1758 vom Schiffer van Kerck zu Dordt 1) (Dordrecht) als Fracht nach Cöllen (Köln) geladen. Das Schiff verließ Dordt am 10. Mai. Wegen des Übergangs von Truppen über den Rhein wurde das Schiff an der Fahrt gehindert.2) Es kam deshalb erst am 27. Juli in Köln an. 3) Ein Schiffer aus Mainz übernahm auf Veranlassung des Agenten Christoph Adam Walther aus Schweinfurt die Ladung und kam damit am 18. August zu Mainz am Rhein an. Die Kiste mit den 950 Fliesen wurde umgehend einem Schiffer namens König zum Weitertransport auf dem Main bis Eltmann übergeben. Dort übernahm auf Veranlassung eines Herrn H. Marquart ein Fährmann die Kiste und brachte sie von Eltmann auf das rechte Mainufer nach Ebelsbach. Auf dem Landweg waren die Fliesen dann noch ca. 20 Kilometer von Ebelsbach nach Rentweinsdorf zu transportieren.

 

Zusammenfassung

Die Fayencefliesen aus der in Fachkreisen bekannten Rotterdamer Werkstatt der Gebrüder Aalmis im großen Salon des Schlosses Rentweinsdorf sind wegen ihrer exzellenten Qualität von Scherben, Glasur und manganfarbener Bemalung von besonderer Bedeutung. Dazu kommt die interessante Kombination mit hervorragenden Rocaillestuckaturen
Anfragen des Bauherrn Freiherr Johann Friedrich II. von Rotenhan bei unterschiedlichen Fayencewerkstätten, deren Angebote, Lieferbelege von Musterfliesen, Lieferbelege der Fliesen aus Rotterdam, Frachtkosten und Abrechnungen der Stuckateure, die auch die Fliesen ansetzten, liegen im Archiv derer von Rotenhan.

Der Schlossbau wird seit 1757 von der Familie der Freiherren von Rotenhan bewohnt und ist nicht öffentlich zugänglich.

 

 

 

Fliesen aus meiner Sammlung

       
7                                                                     8                                                                   9

   
18

 

         
6                                                                      14                                                                   20                                                  


 

Anmerkungen

1)       Herrn Martin Boyken unterlief ein Fehler als er seinen Artikel „Delfter Fliesen reisen nach Bayern“ in Tegel 1 (Otterlo 1971) und in der Fachzeitschrift Fliesen und Platten 24/21 (27. Dezember 1971) veröffentlichte. Es sind keine Delfter Fliesen die sich im unteren Salon des Schlosses Rentweinsdorf befinden, sondern – wie es sich aus im Rentweinsdorfer Schloss lagernden Akten ergibt - Fliesen aus der Rotterdamer Fayencewerkstatt der Familie Aalmis. Herr Boyken las in Rentweinsdorfer Akten wahrscheinlich Delft für Dordt, dem Ausgangshafen der Lieferung.

 

2)       Im Jahre 1755 begann der Konflikt zwischen den Königreichen von Großbritannien, Irland und Frankreich um die Vorherrschaft in Kanada, der Karibik, Indien aber auch in Europa. Am 27. Mai 1758 kam es zur Kriegserklärung zwischen Großbritannien und Frankreich. Der britische König war auch Kurfürst von Hannover. Es wurde auf deutschem Boden eine Armee überwiegend aus Soldaten aus Hannover, Braunschweig-Wolfenbüttel und Hessen-Kassel aufgestellt. Sie stand unter dem Oberbefehl des Herzogs von Cumberland.
Im April befand sich das französische Herr westlich des Rheins,. die Armee der Alliierten stand im Münsterland.
Zur Vorbereitung eines Rheinübergangs der Alliierten wurden im Mai in den Niederlanden Schiffe gechartert und Brückenbaumaterial gekauft. Am 31. Mai waren die Schiffe in Lobith versammelt, aber der Übergang über den Rhein fand auf Bitten der Schiffer etwas nördlicher bei Herwen statt.

 

3)       In Köln endete die Niederrheinschifffahrt und begann die Oberrheinschifffahrt. Dies bedeutete, dass Schiffe Köln nicht passieren durften, sondern das diese am Stapelhaus zu entladen und zu beladen waren. Die Stadt Köln hatte ein Stapelrecht, nach dem alle Waren drei Tage den Kölner Bürgern zum Verkauf angeboten werden mussten. Diese Regelung verschaffte den Kölner Bürgern bedeutenden Reichtum.

 

 

Links

Gemeentearchief Rotterdam
www.gemeentearchief.rotterdam.nl

Historisch Museum Rotterdam
www.hmr.rotterdam.nl

Nederlands Tegelmuseum
www.nederlandstegelmuseum.nl
Bitte beachten Sie auf der Seite des Nederlands Tegelmuseum den Link zu den Vrienden.

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