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Rotterdamer Fliesen im John Knox House, Edinburgh

Im Frühjahr 1999 veröffentlichte ich die englische Fassung dieses Berichtes in Glazed Expressions, einer Zeitschrift der Tiles & Architectural Society, Leeds.(1)
Schon 1994 hatte ich den Bericht ‘The Bloempot Factory Sign in Rotterdam’ für die Zeitschrift Glazed Expressions geschrieben.(2) In diesem beschrieb ich drei Blumenvasentableaus in einer Herdnische des John Knox House in Edinburgh für die ein Kupferstich des Carel Allard (1648-1709) als Vorlage diente. Diese Tableaus haben große Ähnlichkeit mit dem Blumenvasentableau, das bis 1919 als Werkstattzeichen an der Außenwand der früheren Fliesenwerkstatt ‚De Bloempot’ der Familie Aalmis und ihrer Nachfolger am Schiedamsche Dijk in Rotterdam zu sehen war. (3)

 

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JOHN KNOX HOUSE
Foto: Schubert + Pöschel

John Knox House (4), ein Juwel der historischen Altstadt, liegt an der Highstreet zwischen Edinburgh Castle und Palace of Holyroodhouse. Das Haus aus dem 15. Jahrhundert blieb weitgehend so, wie es die Familie Mosman, Goldschmiede in Diensten der schottischen Königin Mary, bauen ließ.

Der schottische Reformator John Knox lebte in diesem Haus von August 1572 bis er dort am 24. November 1572 starb. Er gab dem Haus den heutigen Namen.

Im aus zwei mittelalterlichen Gebäuden zusammengefügten Ensemble mit Räumen auf mehreren Etagen findet man Eichenverkleidungen, Gemälde des frühen siebzehnten Jahrhunderts und Herdnischen mit Fliesen, die in Rotterdam vom späten 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gefertigt wurden.

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Die Feuerstelle im ersten Stockwerk zieren drei Fliesentableaus mit Blumenvasen in blauer Bemalung. Die Tableaus sind eingefügt in Randfliesen der Art ‚Rozelintlijst’.(5) Die Ornamentfliesen im Herdraum wurden in Rotterdam ‚Kransveer’ (6) genannt.

 

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Stich des Carel Allard als Vorlage für die seitlichen Blumenvasentableaus


Die seitlichen Fliesentableaus der Herdnische sind exakte Kopien des von Carel Allard (1648-1709) gefertigten Stiches. Das mittlere Tableau wurde objektbedingt auf die Breite von fünf Fliesen erweitert und zeigt Blumen in anderer Zusammenstellung.

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Im zweiten Stockwerk gibt es drei Herdnischen mit Rotterdamer Fliesen.

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In der ersten Herdnische im zweiten Stockwerk findet man ein inkomplettes Tableau im Format von 3 x 3 Fliesen mit der Darstellung des ,Letzten Abendmahls’ in manganfarbener Bemalung und eine Sammlung aus Kinderspiel-, Bibel- und Landschaftsfliesen.

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Bitte beachten Sie die Fliese mit zwei Jungen, die einen Kreisel schlagen.

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Dieses Motiv ist die Vorlage 60 eines Musterbuches der Rotterdamer ‚Tegelbakkersgilde’, das unter 3195 im Gemeentearchief Rotterdam liegt. Das Rotterdamer Musterbuch habe ich als ‚EIN ROTTERDAMER VORLAGENBUCH FÜR FLIESEN IM BILD’ veröffentlicht.

 

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Foto: Schubert und Pöschel

Eine zweite Herdnische im zweiten Stockwerk zeigt Reste eines Fliesenbildes mit der biblischen Darstellung ‚ Joseph wird durch seine Brüder verkauft’ (7) (8), marmorierte manganfarbene Fliesen, Kinderspiele, Landschaften und Restfliesen von unterschiedlichen Tableaus.

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Vorlage für das Fliesentableau war die Graphik des Joseph Wagner aus Venedig nach einer Zeichnung des Giuseppe Zocchi.

 


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In die Fehlstellen des Tableaus ‚Joseph wird von seinen Brüdern verkauft’ wurden Reste eines Tableaus mit einer ländlichen Szene eingearbeitet.

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Dieses Tableau aus einer Privatsammlung zeigt die ländliche Szene.

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Foto: Schubert und Pöschel

In der dritten Herdnische im zweiten Stockwerk gibt es drei Fliesentableaus mit religiösen Themen. Zwei manganfarbene Tableaus zeigen die Kreuzigung Jesu, ein weiteres einen Mann mit einem Kind auf dem Arm. Es gelang mir, in als den heiligen Vinzenz von Paul (1581-1660), Begründer der neuzeitlichen Caritas, zu identifizieren.

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Zum Vergleich ein komplettes Tableau aus einer niederländischen Privatsammlung.

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Zum Vergleich dieses komplette Tableau aus einer niederländischen Sammlung.

 


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Diese Vorlage für das Tableau im John Knox House liegt im Gemeentearchief Rotterdam  unter der Inventurnummer 3397. Sie hat das Format von 82 x 56 cm. Die Konturen der Wasserfarbzeichnung sind zur Anfertigung einer Durchstaubschablone durchstochen.
Akten im Gemeentearchief Rotterdam belegen, dass in der Fliesenwerkstatt ‚De Bloempot’ unter van Traa 1844 ein Tableau im Format von 7 x 5 Fliesen mit dieser Darstellung vorrätig war.

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Wann die Fliesen in den Herdnischen des Hauses im jetzigen Zustand angesetzt wurden konnte ich nicht ermitteln und auch nicht, wo die Fliesentableaus und Einzelfliesen vorher angesetzt waren.

Ich danke den Herren Chris Blanchett, Hans van Lemmen, Jan Pluis und Donald Smith, Direktor des John Knox Hauses, für ihre Hilfe.

Den Eheleuten Schubert-Pöschel danke ich für die freundliche Genehmigung, die Bilder 1, 14 und 23 aus ihrer Homepage www.poeschel.net auf meine Homepage übernehmen zu dürfen.

 

Anmerkungen

  1. ‚Tiles from Rotterdam in John Knox House, Edinburgh’ in Glazed Expressions Number 38, Spring 1999
  2.  ‘The Bloempot Factory Sign’ in Glazed Experessions Number 29, Autumn 1994
  3. Das Blumenvasentableau ist heute im Besitz des Historisch Museum Rotterdam
  4. John Knox House, 43-45 High Street, EH1 1SR Edinburgh
  5. Jan Pluis, De Nederlandse Tegel A.01.05.80
  6. Jan Pluis, De Nederlandse Tegel A.14.06.06
  7. Jan Pluis, Bijbeltegels 200,O64
  8. Akten im Gemeentearchief Rotterdam belegen, dass in der Fliesenwerkstatt ‚De Bloempot’ unter van Traa 1843 mehrere Tableaus mit dieser Darstellung vorrätig waren.

 

 

Links

John Knox House, 43-45 High Street, GB-EH1 1SR Edinburgh
http://en.wikipedia.org/wiki/John_Knox_House

John Knox
http://en.wikipedia.org/wiki/John_Knox

Tiles and Architectural Ceramics Society (TACS)
http://www.tilesoc.org.uk/

Gemeentearchief Rotterdam
http://www.gemeentearchief.rotterdam.nl

http://www.poeschel.net